Zeit für Milwaukee

Sich für Milwaukee Zeit zu nehmen war eine gute Idee. Wir verbringen 24 Stunden in der Stadt, die wir optimal nutzen und die sich lohnt. Und wir bekommen einen vielfältigen Eindruck dieser bedeutenden Metropole in Wisconsin. Milwaukee hat heute fast 600.000 Einwohner, im Umland kommen noch einmal so viele hinzu. Viele deutsche Einwanderer prägten diese Stadt und die Region. Vor 100 Jahren waren 70 % der Einwanderer Deutsche oder deutscher Abstammung.  Dies hat das Bild der Stadt und seine Wirtschaft geprägt. Wie sehr uns der Besuch des Harley – Davidson Museums gefallen hat, konnte man schon gestern sehen. Übernachtet haben wir gleich in der Nähe, im Zentrum. Am Abend haben wir mal Sachenschau gemacht. Was wird nicht mehr benötigt, was war unnütz, und was muß gewaschen werden. Wir spazieren gleich noch in der Nachbarschaft in einen Waschsalon, und hatten Sonntagabend noch große Wäsche. Nach 35 min war alles sauber und trocken. Anschließend gleich noch Einkehr im benachbarten Restaurant, denn unser Ramada Hotel hat keine (!) Gastronomie. Dort werden wir von Marek bedient. Er ist 31, gebürtiger Slovake, und kam 1999 mit seinen Eltern in die USA. Als wir ins Gespräch kommen und ich ihm erzähle, daß wir im Sommer in der Tatra waren und anschließend noch bis zur ungarischen Grenze radelten, war das Eis gebrochenen. Er berichtete äußerst offen. Seine Eltern hatten sich beworben in einer Zeit des wirtschaftlichen Einbruchs in der Slowakei, und eine Green Card gewonnen! Das war spannend und dramatisch. Sein Vater sprach kein Wort englisch, er selbst wollte als 14 jähriger nicht weg von zu Hause. Doch nun hat die Familie hier gut Fuß gefasst. Er ist verheiratet, seine Frau ist ebenfalls Slovakin, er hat sie bei einem Besuch in der Heimat kennengelernt und mitgebracht. Damit hat sich der derzeitige Traum vieler Slovaken für sie erfüllt. Viele Fragen hätte ich noch stellen wollen, aber er arbeitete, da war seine die Zeit begrenzt. Am Morgen haben wir Zeit um in der Nachbarschaft zu frühstücken. Einen Block weiter gibt es eine „Frühstücksbar“. Ruth bestellt eine Waffel mit Sahne und Ahornsirup, ich nehme Gartenomelett ohne die obligatorischen gebratenen Kartoffeln, sondern nur Toast. Dazu gibt es für uns beide noch ein Schälchen Obst und natürlich Kaffee ’satt‘. Mein Riesenomelett besteht aus 4 Eiern und enthält dazu eben reichlich Gemüse: Zwiebeln, Paprika, Pilze, feingeschnittenen Spinat. Wir teilen, sitzen am Fenster und beobachten die Stadt, zumindest wie sie hier vor uns am Montagmorgen in anläuft. Neben den zur Arbeit kommenden Menschen sind auffallend viele Jogger unterwegs. Busse haben Halterungen für Räder, auch sieht man vereinzelte Radfahrer. Das ist schon erstaunlich für die USA. Wie entspannt Wilwaukee funktioniert, zumindest hier in der Innenstadt merken wir eine Stunde später als wir mit den Rädern und den aussortierten Sachen zu einer Poststation (UPS) unterwegs sind. Es gibt markierte Radspuren. Auch der Versand der Sachen zu Cathy ist überraschend simpel. Der Angestellte nimmt die 2 Plastebeutel mit unserem Zeug ( kurzärmlige Oberteile, Badeanzug, kurze Hose, Karten vom Radtrail, Ersatzakku, usw) und wird es verpacken – für 5.-$ – beschriften und verschicken. Auf dem Weg zur Poststation sind wir an Gebäuden der Technischen Hochschule vorbeigekommen und am dazugehörigen Museum der Grohmann Stiftung. Die Sammlung an Gemälden und Skulpturen zum Thema ‚Man in work‘ ist so faszinierend, daß wir den restlichen Vormittag dort verbringen und das geplante Programm verwerfen. Für Interessierte: www.msoe.edu/Museum .Zu sehen sind nur Arbeiten, die sich mit der menschlichen Arbeitskraft, seinen verschiedensten Berufen, aber auch den Arbeitsstätten beschäftigen. Sehr viele Gemälde aus dem 19. und 20. Jh. mindestens die Häfte von deutschen Künstlern. Um 15.53 Uhr nehmen wir den Zug nach La Crosse, am Mississippi, an der Grenze zu Minnesota gelegen. Unterwegs frage ich Ruth, wie ihr Urteil über Milwaukee lautet. „Milwaukee war eine verkehrstechnisch überaus angenehme Stadt, und die beiden Museen, das Grohmann und Harley-Davidsen waren schlicht ein Erlebnis…“, antwortet sie. Das Einchecken verläuft ähnlich wohlgeordnet wie in Toronto, die Räder geben wir am Gepäckwagen ab, 2 Angestellte sind dort behilflich… Danach bekommen Plätze in einem oberen Abteil zugewiesen. Unten sind in unserem Wagen Schlafkabinen. Der Zug fährt weiter bis an die Westküste. Um uns herum Amish People, vielleicht 20. Alle sehr altertümlich, traditionell gekleidet, die Frauen mit ihren weißen Hauben und die Männer mit recht urigen Bärten und längeren Haaren. Ich kämpfe lange mit mir, wie und ob ich sie ansprechen kann. Dann traue ich mich und frage, ob ich 2 Fragen stellen darf: „Wohin sie reisen, oder ob sie auf der Rückfahrt sind, und ob sie mein Deutsch noch verstehen.“ Hubert ist froh, daß ich ihn anspreche, und in einem Gemisch von Englisch und Deutsch können wir unsere Neugier befriedigen…

2 Gedanken zu „Zeit für Milwaukee“

  1. Hallo auch mal wieder von uns hier aus CB zu euch dort in der Ferne. Fantastisch eure Berichterstattung bisher- wir saugen alles auf und freuen uns schon sehr auf das Treffen und eure Bilder mit großem Reisebericht. Gewöhnungsbedürftig sicher eure eingeschweißten Frühstückseier ;o)
    Sandra und Fam. fliegen am Freitag erst einmal nach Ägypten zum Urlaub und lassen euch schön grüßen. Melissa freut sich auf ihre ersten Ferien und sie will ganz viel baden. Lasst es euch weiterhin gut gehen und seid lieb gegrüßt von uns hier zu Hause.

  2. Ich wünsche Ihnen beiden noch eine wunderschöne Reise – es ist wunderbar aus der Ferne doch ein bisschen dabei zu sein. Vielen Dank für diese schönen Fotos und die interessanten Informationen. Have a good time and enjoy the beautiful moments – sunny greetings from Cottbus, Carola Kirsch

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